• Juliana

Empfehlung| Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

Aktualisiert: 16. Aug 2019

Der hochgebildete Ben lebt aus Überzeugung mit seinen sechs Kindern in der Einsamkeit der Berge im Nordwesten Amerikas. Er unterrichtet sie selbst und bringt ihnen nicht nur ein überdurchschnittliches Wissen bei, sondern auch wie man jagt und in der Wildnis überlebt. Als seine Frau stirbt, ist er gezwungen mitsamt der Sprösslinge seine selbst geschaffene Aussteigeridylle zu verlassen und der realen Welt entgegenzutreten. In ihrem alten, klapprigen Bus macht sich die Familie auf den Weg quer durch die USA zur Beerdigung, die bei den Großeltern stattfinden soll. Ihre Reise ist voller komischer wie berührender Momente, die Bens Freiheitsideale und seine Vorstellungen von Erziehung nachhaltig infrage stellen… [Quelle: Universum Film]


Es gibt mehrere Gründe, warum ich diesen Film unheimlich faszinierend finde und unbedingt weiterempfehle. Der erste ist die Sozialkritik an den USA, und wenn man ehrlich ist, ist diese ebenso zumindest teilweise auf unser europäisches Leben anwendbar. Während die „normal“ aufwachsenden Jugendlichen im Film nicht einmal wissen, was die „Bill of Rights“ ist (zumindest sollte man als Amerikaner wissen, dass es sich dabei grob gesagt um die Festschreibung der Grundgesetze handelt), kann Bens achtjährige Tochter diese nicht nur rezitieren, sondern auch genauestens erklären, welche Auswirkungen diese für das gesellschaftliche Leben hat. Dass es sich hierbei um eine Überspitzung der Zustände handelt, ist klar, wobei die Grundrichtung durchaus berechtigt scheint.


Gleichzeitig macht der Film aber auch deutlich, dass die Lebensweise der Familie auch nicht die ideale Lösung ist. Zwar können die Kinder fundierte Literaturanalysen geben und sich auf höchstem Niveau über Physik austauschen, aber im zwischenmenschlichen Bereich haben sie kaum Erfahrung. Dies merkt zum Beispiel auch der älteste Sohn Bodevan, als er ein Mädchen kennenlernt und vollkommen überfordert ist.


Entscheidend ist für mich auch der Cast. Alle Rollen sind wirklich großartig besetzt, allen voran aber Viggo Mortensen als Familienvater Ben. Den Schauspieler kennen die meisten von euch wohl aus der Herr-der-Ringe-Trilogie als Aragorn. Seitdem hat der dänische Künstler zahlreiche Filme gemacht und wurde bereits dreimal als Bester Hauptdarsteller für einen Oscar nominiert. Eine dieser Nominierungen erhielt Mortensen für die Tragikomödie Captain Fantastic. Der Schauspieler sagt selbst, dass die Rolle die beste seiner Karriere ist, was ich nachvollziehbar finde. Er schafft es auf unglaubliche Weise, die Balance zu halten zwischen liberalem Freigeist und festgefahrenem Kapitalismusgegner. Immer wieder zeigt sich Bens Wärme, seine Stärke und Intelligenz, gepaart mit der Verzweiflung, seinen Kindern unbedingt der bestmögliche Vater zu sein. Der Film ist voll von streng-liebevollen Erziehungssituationen, in denen klar wird, wie sehr Ben seine Kinder liebt und sie ihn respektieren. Das liegt vor allem auch daran, dass der hochbegabte Vater großen Wert darauf legt, seinen Kinder das eigenverantwortliche Denken zu vermitteln anstatt Regeln aus Prinzip durchzusetzen.


Ich habe Captain Fantastic das erste Mal in einer Sneak Preview im Kino gesehen und muss ehrlich zugeben, dass ich ihn sonst wahrscheinlich gar nicht wirklich auf dem Schirm gehabt hätte. Der Film hat mich aber sofort begeistert, gerade auch weil er trotz der vielen Konflikte sehr hoffnungsvoll ist und man als Zuschauer mit einem guten Gefühl rausgeht.


Fernab vom schrillen Hollywood ist Captain Fantastic ein besonderer Film, den ich unbedingt empfehlen kann!




21 Ansichten

© 2019 by STORYLINES. Created by emconceptual.de