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  • Juliana

Empfehlung | Schattenseite von Jonas Ems

Corvin, Nola und Seymon stehen kurz vor ihren Abiturprüfungen. Die drei führen ein gewöhnliches Teenagerleben – bis sie und alle ihre Mitschüler eine E-Mail erhalten, in der auf eine Internetseite namens Profil X hingewiesen wird. Diese Website lüftet nach und nach intimste Geheimnisse der Jugendlichen. Alle Versuche, die Seite vom Netz zu nehmen, scheitern. Wer steckt hinter der Seite? Wie können die drei Freunde diesen Wahnsinn stoppen? Und was hat das mit dem Tod von Louis zu tun?

[Quelle: Ullstein]

Vorab vielen Dank an NetGalley und Ullstein für das Rezensionsexemplar!



Ich muss es leider zugeben: Wenn ich höre, dass ein Youtuber ein Buch geschrieben hat, bin ich einfach skeptisch. Einfach nur deshalb, weil ich mich mit denen nicht auskenne und keinerlei Verbindung zu ihnen habe. Und da kommt schon mal der Gedanke, dass jemand eher aufgrund seiner Bekanntheit als wegen seines Talents zu schreiben, ein Buch veröffentlicht. Aber von solchen Vorurteilen will ich mich nicht weiter beeindrucken lassen, weswegen ich auch „Schattenseite“ einfach eine Chance gegeben habe.


Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich das getan habe. Das Buch war wirklich richtig toll. Der flüssige Schreibstil und die authentische Wortwahl machen es leicht, einfach so durch das Buch zu fliegen. Dabei verzichtet Jonas Ems komplett auf aufgesetzte Jugendsprache, die in den meisten Fällen eh schief geht. Stattdessen erzählt er in nuancierter Sprache, jede Figur hat ihren eigenen Sprachduktus.


Überhaupt sind alle Protagonisten sehr gut ausgearbeitet. Dabei setzt der Autor auf eine tolle Mischung aus gerade genug Klischee um einen Typ zu beschreiben, und vielen Details, die den Figuren Leben einhauchen. Dabei fällt auch auf, dass jede Person sowohl Stärken als auch Schwächen hat, sie sind alle gleichermaßen sympathisch wie unsympathisch in bestimmten Situationen. Dies ist sehr ungewöhnlich, finde ich aber toll, da die Figuren so viel echter werden. Die Entwicklungen der Einzelnen sind ebenso vorhanden, wie die glaubhafte Dynamik zwischen den Personen.


Auch wenn ich nach ca. der Hälfte des Buchs das Ende vorausgesagt habe, tat das meinem Lesespaß überhaupt keinen Abbruch. Der gesamte Erzählbogen war spannend genug, um mich jederzeit zu unterhalten und mich weiterlesen zu lassen. Die Auflösung selbst fand ich einen winzigen Tick weniger gut als den Rest des Buchs, was in diesem Fall aber wirklich Jammern auf hohem Niveau ist.


Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist wie der Autor die Thematik der Informationsverbreitung über das Internet verarbeitet. Ohne erhobenen Zeigefinger wird deutlich, welche Gefahren es mit sich bringt, Daten digital zu speichern und zu verbreiten. Sogar noch besser fand ich aber den Umgang mit Mobbing in dem Buch. Die Geschichte zeigt ganz deutlich, dass es nicht immer nur richtig und falsch gibt. Denn oftmals sind die Situationen komplizierter als das bzw. eine falsche Handlung rechtfertigt keine falsche Reaktion darauf. Ich war beeindruckt, wie differenziert das Buch diese Thematik behandelt.


Alles in allem fand ich „Schattenseite“ wirklich super. Die Geschichte, die Figuren und die verarbeiteten Themen konnten mich durchweg überzeugen. Beim Lesen musste ich auch immer wieder an „Erebos“ denken, was ich total liebe und sich wirklich sehr ähnlich angefühlt hat. Ein sehr empfehlenswerter Roman für Jugendliche, aber auch darüber hinaus!