• Juliana

Kolumne | Bad Boy? Yes, Girl!

Was haben Hardin Scott, Kaden White und Adam Everest gemeinsam? Abgesehen davon, dass sie die Protagonisten von beliebten New-Adult-Romanen sind, sind alle drei Bad Boys. Wild, tätowiert und bei Frauen beliebt – so das schöne Klischee. Aber Bad Boys sind keineswegs eine Erfindung unserer Zeit. Schließlich finden sich die berühmt berüchtigten Merkmale dieses Typ Manns auch in der wohl beliebtesten männlichen Figur aller Zeiten.


Ich spreche von keinem geringeren als Mr. Darcy. Der soll ein Bad Boy sein? Ja, wirklich – sogar ganz ohne Tattoos! Jane Austens Helden aus Stolz & Vorurteil liegen die Frauen reihenweise zu Füßen. Das liegt vornehmlich natürlich an seinem Reichtum, der ihm eine hohe soziale Stellung gibt und ihn zu einer hervorragenden Partie macht. Trotz seiner Position in der vornehmen Gesellschaft, hält er nicht viel von deren Konventionen. Er hält sich lieber im Hintergrund, nimmt nicht gerne an öffentlichen Veranstaltungen teil. Darcy macht sich dadurch aber wohl noch interessanter. Wer sich nicht präsentiert, sondern sogar versteckt, wirkt schließlich mysteriös und geheimnisvoll und das ist etwas, dem Frauen in Liebesromanen bekanntermaßen überhaupt nicht widerstehen können.


Die meisten Bad Boys haben eine auffallende, schlechte Eigenschaft; sie sind launenhaft, zu sehr von sich selbst überzeugt oder herrisch. Mr. Darcy ist stolz – und ja, daher natürlich der Titel. Die Frage ist berechtigt, warum diese Art Mann so anziehend ist, wenn dieser offenbar negative Charakterzug doch sogar typisch ist. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Am Ende überwindet doch jeder Bad Boy eben diese Eigenschaft für seine große Liebe – es muss nur die richtige Person sein!


Für Mr. Darcy war das Elizabeth, für Kaden Allie. In Hardins Leben hat sich mit Tessa alles verändert, Adam ist Rowan verfallen. Diese fiktiven Geschichten sprechen uns an, weil sie uns zeigen, dass es diesen Menschen gibt, für den man die beste Version seiner selbst sein möchte. Und wenn wir ganz ehrlich sind, möchten wir doch irgendwie alle eben diese Person sein, die diesen Wunsch in unserem Gegenüber auslöst, oder? Wir möchten der Grund für diese tiefempfundene Liebe sein, die das Beste aus uns Menschen macht.


Der Gedanke jemandes „Person“ zu sein, wird beim Bad Boy voll bedient. Diese Person ändert alles, sie ist diejenige, die als einzige hinter die mysteriöse Fassade blicken kann und erkennt, dass hinter der harten Schale ein weicher Kern steckt. Natürlich hilft es dem Klischee, dass Bad Boys in der Literatur ausnahmslos höllisch attraktiv sind. Sie sind groß, muskulös, stark (Beschützer!), tragen Lederjacken und fahren Motorrad. Ja, es ist ein Klischee aber ja, irgendwie funktioniert es doch einfach bei uns LeserInnen!


Auch ich kann mich dieser dunklen Anziehung der Bad Boys aus den vielen Geschichten nicht erwehren. Und ich finde, das ist auch vollkommen in Ordnung, denn ich bin damit keineswegs alleine. Außerdem steht es jedem von uns doch frei, was wir toll finden und manchmal ist es eben ziemlich einfach, uns mit Geschichten glücklich zu machen.

Aber sind eben genau das: fiktive Geschichten. So gerne ich sie mag, muss mir doch klar sein, dass das nicht die Realität ist. Viele von uns (mich eingeschlossen) verwechseln früher oder später eine Romanfigur mit einem echten Menschen. Wenn Mr. Darcy in seiner Arroganz zu Elizabeth sagt, er lässt sich auf ihr gesellschaftliches Niveau herab, weil er sie liebt, ist das für Elizabeth demütigend. Und obwohl wir das genauso empfinden, verzeihen wir ihm noch in der selben Minute, weil wir wissen, dass er seine Fehler erkennen und es ein Happy End geben wird. Dabei dürfen wir aber nie vergessen, dass diese Figuren erfunden sind und sie sich natürlich am Ende genau so verhalten, wie wir es gerne hätten – alles wird gut.


Wir müssen uns aber klar machen, dass es im realen Leben nicht so läuft. Der Bad Boy im echten Leben, der Geheimnisse verbirgt, selbstgefällig seine Affären zur Schau stellt oder sich uns gegenüber einfach daneben verhält, ist vielleicht tatsächlich einfach nur ein „bad boy“. Im echten Leben gilt die Regel: Wer dich schlecht behandelt, hat dich nicht verdient. Solange wir uns darüber bewusst sind, dass der Bad Boy im Roman ein Konstrukt ist, auf das wir im echten Leben nicht reinfallen sollten, können wir guten Gewissens lesen, was auch immer wir wollen. Wir müssen aber auf uns und unser Herz aufpassen – denn Bad Boys, die sich als Märchenprinzen entpuppen sind mehr als selten.


Zum Glück gibt es aber genügend Lesefutter, das uns andere Typen Mann bietet. Eine mysteriöse Vergangenheit und Geheimnisse sind einfach spannend, daran kann man nicht rütteln. Die gibt es aber auch ganz ohne das oftmals fragwürdige Verhalten eines Bad Boys. Mit dem Dozenten Nolan setzt Mona Kasten uns eines dieser Exemplare vor. Nolan trägt ganz klar ein Päckchen mit sich, aber er ist vor allem intelligent, hilfsbereit und aufmerksam. Er ist ein Beweis dafür, dass es nicht immer das Klischee braucht, um eine schöne und positive Geschichte zu erzählen.

Ebenfalls für mehr Bad-Boy-Diversität sorgt Logan St. James, der als Bodyguard in Prince of Passion verzaubert. Weit von einem Bilderbuchleben entfernt wuchs er auf, sein Umfeld war voller schlechter Einflüsse. Logan hat dies erkannt und sich entschieden, dass er mehr vom Leben will und seine Fähigkeiten für etwas Gutes einsetzen möchte. Als Bodyguard beschützt er die königliche Familie seines Heimatlandes. Auf den ersten Blick erfüllt Logan alle Klischees: Dunkle Vergangenheit, attraktives Aussehen, Tattoos, die schlechte Eigenschaft, sich emotional zurückzuziehen. Doch Logans Verhalten ist das eines guten Mannes. Er ist ein Beschützer, der sich für das Gute in sich selbst entschieden hat – übrigens ganz ohne, dass eine Frau ihn erst retten musste.


Bad Boys sind großartige Protagonisten, keine Frage. Aber es gibt eben noch viel mehr. Und einiges davon ist vielleicht auch im wahren Leben eher erstrebenswert.

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