• Juliana

Kolumne | Filme brauchen neue Gesichter

Lasst uns mit einem kleinen Ratespiel anfangen. Was ist der erste Film, der euch zu Elijah Wood einfällt? Was ist mit Robert Pattinson? Und wie sieht es mit Sarah Jessica Parker aus? Okay, ich rate mal: Herr der Ringe, Twilight und Sex and the City! Na, habe ich Recht?

Manche SchauspielerInnen hatten irgendwann in ihrer Karriere eine Rolle, die so prägnant war, dass sie sich für immer in unsere Hirne gebrannt hat. Dabei ist es auch egal, ob es die erste, einzige oder letzte Rolle war oder in welchen Filmen sie sonst noch dabei waren. Elijah Wood hat eine durchaus beeindruckende Filmographie, war auch in Filmen wie Sin City oder Alles ist erleuchtet zu sehen. Auch Robert Pattinson arbeitet hart daran seine blutsaugende Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er widmet sich hauptsächlich herausfordernden Filmen wie David Cronenbergs Cosmopolis oder Maps to the Stars. Und SJP ist natürlich am bekanntesten für ihre Verkörperung der Fashionqueen Carrie Bradshaw, hat aber auch in Working Mum oder Zum Ausziehen verführt gespielt.


Obwohl ich all diese Filme kenne, habe ich doch jedes Mal diese bestimmten Rollen im Kopf. Natürlich ist das bei jedem anders, aber sicherlich kennt Jeder Schauspieler und Schauspielerinnen, denen man leider keine anderen Rollen mehr abnehmen kann. Und genau das kann zum Problem werden. Wenn man das nämlich einmal im Kopf hat, ist es wirklich schwer, sich davon wieder zu lösen. Und das führt dazu, dass man Filme mit eben diesen Schauspielern nicht mehr richtig genießen kann, auch wenn die Leistung und der Film im Allgemeinen noch so gut sind.


Was blöd für den Zuschauer ist, wirkt sich natürlich auch darauf aus, ob man sich einen Film überhaupt ansieht. Wenn ich schon vorher weiß, dass ich im neuen Blockbuster nur Jack Sparrow sehen kann, geh ich möglicherweise gar nicht erst ins Kino, schließlich will ich ja nicht Fluch der Karibik sehen. Und das wiederum hat Auswirkungen auf die Castingentscheidungen von Filmemachern. Wenn man einen Film macht, kann man noch so idealistisch sein, man möchte natürlich damit Geld verdienen, mindestens die Kosten decken. Vor allem in Hollywoodproduktionen ist das Ziel, Filme möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Da die Besetzung eines der Hauptkriterien in der Entscheidung des Zuschauers ist, gibt es eine ganze Reihe an Strategien für das Casting.


Aus Sicht der Vermarktung ist es natürlich wunderbar, wenn man „den neuen Film mit Kit Harington“ ankündigen kann. Schließlich waren wir doch alle schon mal in einem Film, der uns eigentlich gar nicht so sehr interessiert hat, aber in dem einer unserer Lieblinge mitgespielt hat, oder? Dabei sollte aber immer darauf geachtet werden, dass nicht zu viele Zuschauer nur Jon Snow sehen. Das kann dann nämlich nach hinten losgehen. Eine Alternative ist es immer, recht unbekannte Nachwuchstalente zu casten. Diese Entscheidung wurde zum Beispiel bei mehr oder weniger der gesamten Besetzung von Game of Thrones getroffen. Emilia, wer? Richtig! Emilia, Lena, Kit, Maisie waren alles unbekannte Namen, sodass die Gefahr sehr gering war, eine andere Rolle mit ihnen zu verbinden. In diesem Fall ist ganz eindeutig, dass es die richtige Entscheidung war.


Insgesamt ist es für die Macher immer ein Abwägen von Pro und Contra, was durch die subjektive Wahrnehmung von jedem Einzelnen weiter erschwert wird. Ich werde wohl nie über Hermine hinwegkommen, wenn ich Emma Watson sehe, aber das muss euch schließlich nicht genauso gehen.


Grundsätzlich finde ich es persönlich aber immer schön, wenn neuere Schauspieler verpflichtet werden. Die Assoziation mit anderen Rollen ist schlicht nicht möglich, aber das ist nicht der einzige und vor allem nicht der wichtigste Grund. Bekannte Schauspieler neigen zu Routine. Auch wenn jede Rolle eigen ist, kann sich kein Schauspieler davor retten, dass eine gewisse Wiederholung von Mustern aufkommt. Ich denke da beispielsweise an Christoph Waltz, der in Inglorious Basterds eine wirklich herausragende Leistung abgeliefert hat. Aber schaut euch im Vergleich mal seine Rollen bei Django Unchained oder Spectre an und ihr werdet feststellen, dass sich manche Eigenarten extrem ähneln. Klar, macht ihn das gewissermaßen unverwechselbar, gleichzeitig nimmt es der Rolle aber auch ein Stück ihrer Individualität.


Frischer Wind sollte in der Schauspielriege aber auch deswegen öfter wehen, weil es einfach wahnsinnig viele talentierte Menschen gibt, die für Rollen kämpfen. Diesen nimmt man schlicht die Chance sich zu beweisen und ihren Traum zu leben, wenn Matthias Schweighöfer zum gefühlt 178. Mal die Hauptrolle in einer romantischen Komödie spielt (natürlich an der Seite von Hannah Herzsprung, Emilia Schüle oder Karoline Herfuhrt). Oft wird vor allem im deutschen Sprachraum kritisiert, dass wir angeblich kaum talentierte Filmschaffende haben. Weit gefehlt! Unsere Schauspielschule, Theater und Schauspielagenturen sind voll mit Nachwuchstalenten, denen leider nach wie vor viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.


Wir sollten uns also nicht von unbekannten Namen auf dem Filmplakat abschrecken lassen, sondern versuchen, unvoreingenommen zu sein. Wahrscheinlich werden wir eher überrascht als enttäuscht sein! Sogar die ganz Großen waren schließlich auch mal unbekannt.

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