• Juliana

Rezension | Das Schweigen der Angst von M. Sean Coleman

Jane Hewitt ist geheilt, ihr Krebs im Endstadium verschwunden! Und das nach nur einem Besuch bei Megan, einer Wunderheilerin, die offenbar eine unglaubliche Gabe besitzt. Doch am nächsten Tag stirbt Jane in den Armen ihres Mannes Ian. Ist Megan Schuld? Wohl kaum – das erst 15-jährige Mädchen liegt nämlich seit Jahren im Koma! In seiner Not wendet Ian sich an die einzige Person, die ihm jetzt noch helfen kann: Dr. Alex Ripley, spezialisiert auf die Erklärung übersinnlicher Phänomene. Fasziniert von Megans Fall findet sich Ripley auf Holy Island vor der Küste von Nordwales wieder – und mitten in einer Untersuchung, die sehr viel düsterer und gefährlicher ist als Ripley es sich hätte ausmalen können: Ian ist nämlich nicht die erste Person, die sich über Megan und ihre Unterstützer beschwert. Aber er ist der einzige, der noch am Leben ist … [Quelle: Bastei Luebbe]


Kennzeichnend für das Krimi-Genre ist oftmals vor allem die Hauptfigur, die bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder auch als Detektiv arbeitet. Besonders spannend finde ich aber im Gegensatz dazu, wenn die Handlung von jemandem getragen werden, dessen Alltag nicht unbedingt von Ermittlungen in Strafangelegenheiten geprägt ist. Dies ist auch bei Das Schweigen der Angst der Fall, denn die Protagonistin ist eine Theologin, die sich auf die Untersuchung von übernatürlichen Phänomenen spezialisiert hat.


Wunderheilungen als Thema für einen Thriller finde ich sehr schwierig, da es dabei natürlich hauptsächlich um die Glaubensfrage geht. Daher war ich schon ziemlich skeptisch und habe mich anfangs etwas schwer getan, in die Geschichte reinzukommen. Das hat sich aber sehr schnell gelegt, da die Thematik wirklich sehr gut besprochen wird und keine urteilende Position eingenommen wird. Das liegt vor allem an Alex, die als Wissenschaftlerin zwar kritisch an das Thema rangeht, aber gleichzeitig den nötigen Respekt vor dem Glauben hat. Obwohl sie selbst nicht an Wunderheilungen glaubt, schließt sie deren Existenz nicht aus, da ihr auch dafür ein klarer Beweis fehlt. Diese Einstellung war beim Lesen äußert angenehm, weil einem keine vorgefertigte Meinung vorgesetzt wird, sondern man frei seine eigene bilden kann.

Alex ist auch sonst eine Figur, der man gerne folgt. Sie ist eine intelligente Frau, die sich sehr gut auf ihrem Gebiet auskennt, vor allem aber, ist sie unglaublich empathisch. Ihre Menschenkenntnis ist verblüffend, aber immer vollkommen nachvollziehbar. Ihre Gedanken erklären genau, worauf sie achtet, schildern, wie ihre Mitmenschen sich verhalten und deren Stimmen sich verändern, wenn sie beispielsweise lügen. Durch diese Details macht es echt Spaß, mitzurätseln, was hinter den Wunderheilungen, den Verschwörungen und den Geheimnissen steckt.

Auch alle anderen Figuren sind super beschrieben, man hat bei jeder Person ein richtiges Bild im Kopf, was die Geschichte natürlich erst richtig lebendig macht. Das Setting ist eher unspektakulär, aber das Dorf direkt am Meer passt gut und ist auf jeden Fall sinnvoll gewählt. Das Schweigen der Angst ist der zweite Fall für Alex, was zwar immer wieder erwähnt wird, aber keinerlei Einfluss beim Lesen hat. Es fehlen keine Informationen oder Teile der Charakterentwicklung.


Vor allem im letzten Drittel nimmt das Buch richtig an Fahrt auf und ich konnte das Ende wirklich kaum abwarten. Die anfängliche Skepsis wandelte sich schnell in Lesevergnügen und die Spannung wurde zunehmend greifbarer. Mein Fazit ist durchweg positiv. Ich war sehr überrascht, wie gut mir dieses Buch gefallen hat und würde auch den ersten Fall von Alex gerne noch lesen!


An dieser Stelle möchte ich mich noch bei be / Bastei Lübbe und NetGalley für das Rezensionsexemplar bedanken!

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