• Juliana

Rezension | Die verborgenen Stimmen der Bücher von Bridget Collins

Emmett Farmer arbeitet auf dem Hof seiner Eltern, als ein Brief ihn erreicht. Er soll bei einer Buchbinderin in die Lehre gehen. Seine Eltern, die wie alle anderen Menschen Bücher aus ihrer Welt verbannt haben, lassen ihn ziehen – auch weil sie glauben, dass er nach einer schweren Krankheit die Arbeit auf dem Hof nicht leisten kann. Die Begegnung mit der alten Buchbinderin beeindruckt den Jungen, dabei lässt Seredith ihn nicht in das Gewölbe mit den kostbaren Büchern. Menschen von nah und fern suchen sie heimlich auf. Emmett kommt ein dunkler Verdacht: Liegt ihre Gabe darin, den Menschen ihre Seele zu nehmen? Nach dem plötzlichen Tod der Buchbinderin erkennt der Junge, welch Wohltäterin sie war – und in welche Gefahr er selbst geraten ist.

[Quelle: Aufbau Verlag]


Die Grundidee zu Die verborgenen Stimmen der Bücher fand ich sehr besonders und schön. Ein Buchbinder ist nicht etwa jemand, der einfach lose Seiten aneinanderreiht, sondern die persönlichen Erfahrungen eines Menschens niederschreibt und daraus ein Buch macht. Dabei gibt die erzählende Person sozusagen ihre eigenen Erinnerungen ab, vergisst alles, was damit zu tun hatte. Es ist verständlich, dass Buchbindern nicht unbedingt sehr freundlich entgegengetreten wird. Ihre Macht hebt sie von den anderen Leuten ab, die nicht verstehen können, was genau vor sich geht.

Die Geschichte folgt zunächst dem jungen Emmet Farmer, der zu einer Buchbinderin in die Lehre gehen soll. Bisher ist er eigentlich nie wirklich mit Büchern in Berührung gekommen, da seine Eltern Bücher vollkommen aus ihrem Leben verbannt haben. Er kennt Bücher also auch nicht, weiß nicht was sie sind, auch nicht, warum sie für so gefährlich gehalten werden. Zusammen mit Emmet wird der Leser in die Welt von Die verborgenen Stimmen der Bücher eingeführt, erfährt also Stück für Stück, was es mit Büchern und Buchbindern auf sich hat.

Im zweiten Teil des Buchs wird springt die Geschichte einige Zeit zurück, erzählt von Emmets Kindheit bzw. Jugend und wie er und seine Schwester den jungen Lucian Darnay kennengelernt haben, der im weiteren Verlauf der Geschichte eine tragende Rolle spielt. Der dritte Abschnitt des Buchs wechselt dann sogar zu seiner Perspektive, was dem Leser nochmal ganz neue Eindrücke ermöglicht.

Sowohl Emmet als auch Lucian fand ich als Charaktere sehr interessant, ihre Entwicklung war nachvollziehbar und schön auserzählt, ebenso wie ihre Interaktion miteinander. Beide wirken mal mehr, mal weniger sympathisch, haben Fehler manchmal verhalten sie sich auch zumindest fragwürdig. Genau dadurch aber werden sie erst so richtig authentisch. Auch die Nebenfiguren funktionieren gut und sind eingänglich genug, dass sie die beiden Hauptfiguren stützen.

Mein persönliches Highlight in diesem Buch war aber auf jeden Fall die Atmosphäre darin. Es ist sprachlich wirklich sehr schön und gekonnt geschrieben. Es ist meiner Meinung nach auch genau das richtige Maß an Details und Sinneseindrücke der Figuren beschrieben, sodass man sich die Bilder wirklich perfekt vorstellen kann. Dies führt zu einem unheimlich tollen Lesegefühl, auch wenn ich dadurch deutlich länger zum Lesen gebraucht habe. Die intensive Schreibweise wollte ich möglichst lange erleben und konnte mich zum Großteil wirklich vollkommen in der Geschichte verlieren.

Leider gibt es einen kleinen Kritikpunkt. Ein paar Mal habe ich sprachliche Fehler entdeckt, hauptsächlich grammatikalisch. Das war zwar nichts Schlimmes, aber sowas stört mich beim Lesen schon ziemlich und es ist einfach schade, wenn das auffällt, auch wenn es nicht viele waren.

Insgesamt muss ich aber wirklich sagen, dass mich die Geschichte von Bridget Collins total mitgenommen hat. Die Geschichte hat mich emotional voll überzeugt und es war für mich ein fast perfektes Lesevergnügen!


Vielen Dank an den Aufbau Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!


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