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  • Juliana

Rezension | Eloise 1: Hinter den Mauern des Feindes von Jessica Wismar

Die Welt, in der Eloise lebt, ist rau und unerbittlich. Der Großteil der Menschen ist mittellos und lebt im Elend, Verrat und Verfolgung sind an der Tagesordnung. Doch Eloise hat ein gutes Herz – und sie ist eine Kämpferin. Stets darauf bedacht, im Verborgenen zu wirken, setzt sie sich für die Armen ein, auch wenn sie dabei ein hohes Risiko eingeht. Damit ist sie schon lange zu einer Legende geworden, deren wahre Identität kaum jemand kennt. Eines Tages aber geschieht das Unvermeidliche: Eloise wird enttarnt. Und obwohl auf ihre Taten die Todesstrafe steht, scheint es einen Mann zu geben, der das Urteil abwenden kann.

[Quelle: Carlsen]


Vorab vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!



Die besten Bücher sind doch die, die unterhaltend sind und gleichzeitig etwas zu sagen haben. Das eine grenzt das andere nicht aus, auch wenn viele das scheinbar glauben. „Eloise“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass beides geht.


Gleich zu Beginn des Buchs merkt man, dass diese Geschichte wirklich etwas bedeutet. Die ganze Atmosphäre ist angespannt, drückend und fühlt sich beinahe apokalyptisch an. Es braucht eine Weile bis ein Bild der Welt besteht, in der sich die Geschichte abspielt, aber das fand ich sehr sinnvoll. So kann man jede neue Information tatsächlich verarbeiten und wird nicht mit aneinandergereihten Fakten überladen. Ich war beeindruckt, wie genau ich mir die Welt anhand der Beschreibungen vorstellen konnte, weil ich mich damit normalerweise eher schwertue. Es war aber so detailliert, so nuanciert und logisch aufgebaut, dass ich super schnell in der Welt gefangen war.


Ähnlich ging es mir mit den Figuren, vor allem natürlich mit der Protagonistin Eloise. Ihre Beweggründe sind glasklar und vollkommen nachvollziehbar. Ich mag es, wenn man nicht von Anfang an alles über eine Person weiß, schließlich ist das einfach unrealistisch. Daher mochte ich es sehr, dass man von Eloises Vergangenheit erst nach und nach erfährt. Auch die Umstände, wie was rauskommt, sind gut durchdacht und passen in den Kontext. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, weil Eloise gerade einmal 19 Jahre alt ist und wirklich unfassbar erwachsen wirkt. Allerdings ist das durch die äußeren Umstände und ihre persönliche Geschichte sehr logisch, was mich schließlich ebenfalls überzeugt hat.


Die zweite wichtige Person ist der Mann mit Herz. Das ist eine wahnsinnig interessante Person. Aus tiefstem Herzen gut, unheimlich intelligent und von einer ungewöhnlichen Präsenz. Ich weiß nicht, wie die Autorin das geschafft hat, aber ich hatte das Gefühl, er würde jeden Moment einfach vor mir stehen. Falls jemand sich fragt, wie Männer Männer sein können, ohne der toxic masculinity zu frönen: Hier, bitte schön, der Mann mit Herz macht’s vor!


Die beiden haben eine großartige Dynamik. Sie verstehen sich auf eine sehr glaubhafte Art, auch wenn sie augenscheinlich unterschiedlichen Lagern angehören und einander skeptisch gegenüber sind. Was ich sagen muss, ist, dass beide Figuren einzeln aber gerade auch zusammen unheimlich reflektiert sind. Das hat mich manchmal etwas stutzig gemacht, weil es sehr oft zur Sprache kommt. Sie begreifen das große Gesamtbild dermaßen gut und denken aktiv über die Struktur ihrer Umwelt nach, dass es zwischendurch etwas viel wirkt. Allerdings passt es in den Gesamtkontext eindeutig rein. Das Besondere ist dabei aber, dass die beiden eher als Vorbild dienen, anstatt dass man sich sehr gut mit ihnen identifizieren kann. Und genau das ist schließlich auch Eloises Rolle in ihrer Welt. Wenn man das akzeptieren kann, fordert Eloise einen heraus, nachzudenken, über sich selbst, über Zusammenhänge und über die Welt.


Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass mich „Eloise“ vollständig überzeugt hat. Abgesehen von dem recht flüssigen Schreibstil von Jessica Wismar, spürt man vor allem, dass dieses Buch ihr am Herzen liegt und sie etwas zu sagen hat. Es ist also an uns, zuzuhören.

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