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  • Juliana

Rezension | Last Christmas - Paul Feig

London in der Vorweihnachtszeit: Das Leben von Kate verläuft alles andere als rund. Sie stolpert von einem selbstverschuldeten Chaos ins nächste und selbst ihre Arbeit als Elf in einem Weihnachtsladen beschert ihr kein Glück. Es scheint wie ein Wunder, als eines Tages Tom in ihr Leben tritt und es nach und nach schafft, die vielen Barrieren, die Kate um sich und ihr Herz aufgebaut hat, zu durchbrechen. Doch obwohl es Tom gelingt, Kate wieder Lebensfreude und Selbstvertrauen zu schenken, scheint er doch ein Geheimnis zu haben. Während sich London in ein vorweihnachtliches Lichtermeer verwandelt, lernt Kate, dass sie die Dinge manchmal einfach geschehen lassen und ihrem Herzen folgen muss oder, um es mit George Michaels Worten zu sagen: „You gotta have faith!“

[Quelle: Universal Pictures]



Sobald es auch nur ansatzweise in Richtung Weihnachten geht, grölt uns aus allen verfügbaren Musikboxen quasi rund um die Uhr „Last Christmas“ von Wham! entgegen. Und ganz ehrlich? Ich bin ein Fan! Kein anderes Lied in keiner der unzähligen Versionen sorgt bei mir so sehr für Weihnachtsstimmung wie dieser Ohrwurm. Als ich also das erste Mal den Trailer zum gleichnamigen Weihnachtsfilm gesehen habe, wusste ich gleich, dass das ein Muss für mich wird.


Diese Art Film gibt es wahrscheinlich ähnlich oft wie weihnachtliche Lieder. Mehr oder weniger gut verpacken sie den Gedanken an Familie, Adventszeit und den Geschenkewahn mal witzig, mal romantisch, mal tragisch. Meine Erwartungen an „Last Christmas“ waren eigentlich simpel: Ein schöner, süßer und kurzweiliger Film, der mit ein bisschen Kitsch Weihnachtsstimmung verbreitet.


All meine Erwartungen wurden erfüllt und doch hält der Film noch einige weitere positive Überraschungen bereit. Mit der Entscheidung Kates Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen zu lassen, welches sie als Kriegsflüchtlinge hinter sich lassen mussten, wird quasi im Vorbeigehen ein politisches Statement gesetzt. Ganz ohne Aufregung, ohne Fingerzeig fließt dies nahtlos in die Geschichte ein. Die Brexitdebatte löst vor allem bei Kates Mutter die Sorge aus, dass sie das Land wieder verlassen müssen. Als im Bus ein Paar von einem radikalen Engländer beschimpft wird, weil sie sich nicht auf Englisch unterhalten, fasst sich Kate ein Herz und spricht die beiden in ihrer und Kates eigener Muttersprache an. Damit zeigt sie nicht nur Solidarität, sondern akzeptiert auch wieder ihre eigenen Wurzeln, die sie bisher vehement von sich gewiesen hat.


Auch wenn eine zarte Liebesgeschichte entsteht liegt der Fokus doch klar auf Kate. Emilie Clarke spielt sie mit viel Fingerspitzengefühl und schafft es, alleine durch den Ausdruck in ihren Augen Emotionen so greifbar zu vermitteln, dass man wirklich in jeder Minute ganz bei ihr ist. Henry Golding ist ebenfalls ein Glückgriff in der Besetzung. Sympathisch und ehrlich kommt Tom rüber, sodass man sich kein bisschen wundert, warum ausgerechnet er etwas in Kate auslöst.


Eine ganz besondere Rolle spielt in dem Film eine soziale Einrichtung für Obdachlose. Tom lädt Kate ein, dort auszuhelfen. Zunächst zeigt sie daran keinerlei Interesse, sie ist dafür viel zu sehr mit sich und ihren eigenen Problem beschäftigt. Doch irgendwann tut sie es einfach doch und merkt, dass sie selbst mit kleinen Gesten der Nächstenliebe nicht nur anderen entscheidend helfen kann, sondern auch selbst ein besseres Gefühl bekommt. Ich fand es toll, dass eine solche Randgruppe, die in den perfekten, glänzenden Filmwelten kaum einen Platz findet, ziemlich stark in den Fokus gerückt wird.


„Last Christmas“ ist für mich ein Film, der alle süßen und kitschigen Konventionen einhält, doch den wirklichen Sinn von Weihnachten verkörpert, ohne dass es gewollt oder gezwungen wirkt. Ein absolut empfehlenswerter Weihnachtsfilm!



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