• Juliana

Rezension | Mayheim-Reihe von Jamie Shaw

Die Atmosphäre bei Konzerten ist eine ganz besondere. Zwischen all den Menschen und mit der lauten Musik, die man wahrscheinlich auch noch laut mitsingt, fühlt man sich beinahe wie im Rausch. Gefühle übermannen einen, man lacht und weint, fühlt sich lebendig. Die Bands üben mit ihrer Musik eine ganz besondere Art von Macht über uns auf und es ist wohl kein Wunder, dass wir Musikern gerne verfallen.

So wie auch der Band The Last Ones To Know der Mayhem-Reihe von Jamie Shaw. Bestehend aus vier Teilen erzählen ihre Bücher die Bandgeschichte während jeder Teil sich einem der Bandmitglieder widmet. Da die vier Geschichten sehr stark miteinander verstrickt sind, habe ich mich dazu entschlossen, ausnahmsweise eine Sammelrezension zu schreiben.


Rock My Heart – Band 1

Den Anfang macht Frontsänger Adam Everest, dem die Fans reihenweise zu Füßen liegen. Das liegt nicht nur daran, dass er mit seinen langen Haaren, den Lederarmbändern und den zerrissenen Jeans aussieht, wie ein echter Bilderbuch-Rockstar aussieht, sondern vor allem an seinem charismatischen Auftreten und seiner einlullenden Singstimme. Auch die junge Rowan kann sich seiner Anziehungskraft nicht entziehen. Zu Beginn wirken die beiden relativ klischeehaft, was mir etwas Sorge bereitet hat. Nach einiger Zeit weichen diese Stereotypen aber auf und werden zu runden Charakteren. Rowan tröstet sich mit Adam vor einem seiner Konzerte, nachdem ihr Freund sie betrogen hat. Für sie ist ein Schock, als der Rockstar plötzlich in ihren Französischkurs sitzt. Natürlich kommt es, wie es kommen muss und die beiden nähern sich an, als Rowan Adam Nachhilfe gibt, damit er den Kurs besteht. Schnell erkennt sie, dass Adam kein abgehobener Star ist und verliebt sich wirklich in ihn, was auf Gegenseite beruht. Besonders angenehm fand ich in Band eins, dass es kaum Drama gibt bzw. kein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit. Obwohl ich das grundsätzlich gerne mag, hätte es einfach nicht gepasst. Die Geschichte der beiden vor dem Hintergrund der Band ist genug, um den Leser zu begeistern.


Rock My Body – Band 2

In Teil 2 geht es um Dee, die beste Freundin von Rowan. Sie ist eine ziemlich typische beste Freundin der ersten Protagonistin: lauter, extrovertierter und augenscheinlich selbstbewusster. Sie legt viel Wert darauf, ihre Beziehungen zu Kerlen so oberflächlich wie möglich zu halten. Sie hat mit der Liebe abgeschlossen, lebt sich aber dennoch gerne aus. Wie aber so oft, gibt es natürlich doch jemanden, der ihre harte Schale durchbricht und den Weg in ihr Herz findet. Joel, der Gitarrist der Band The Last Ones To Know. Joel ist das männliche Gegenstück zu Dee, auch er lässt nichts anbrennen und genießt sein Rockstarleben in vollen Zügen. Von Anfang an haben die beiden ein Verhältnis, das wie sie beide sagen, vollkommen locker ist. Natürlich zeigt sich aber nach und nach, dass die beiden mehr füreinander empfinden. Obwohl sich Dee wirklich schwer damit tut, sich auf die Liebe einzulassen, hat sie letztendlich keine Wahl. Das alles passiert in einem guten Tempo, dass nachvollziehbar ist, sodass man nicht verwirrt wird, weil die Charaktere plötzlich anders handeln, als man denken würde. Auch wenn ich mit Dee nicht so ganz warm geworden bin, konnte mich ihre Geschichte doch überzeugen und ich habe den beiden ihr Happy End gewünscht.


Rock My Soul – Band 3

Da einer der Bandmitglieder sich vollkommen daneben benimmt und zu Recht sofort aus der Band fliegt, muss Ersatz her. Bei einem Vorspielen stellen sich zwar viele Bewerber vor, aber kaum jemand passt – bis Kit auftaucht. Die talentierte Gitarristin war mit den Jungs der Band auf der High School, allerdings ein paar Jahrgänge unter ihnen. Kit kann die Band überzeugen und wird in ihre Gruppe aufgenommen. Von Anfang an allerdings herrscht zwischen ihr und Shawn eine Anspannung. Der Leser erfährt, dass Kit und Shawn während ihrer Schulzeit zusammen im Bett gelandet sind, aber Shawn sich nie wieder bei ihr gemeldet hat – und jetzt erkennt er sie scheinbar nicht einmal. Kit ist verletzt, wütend und muss sich dennoch eingestehen, dass sie sich nach wie vor von Shawn angezogen fühlt. Dem geht es ähnlich, er ist vor allem von Kits Liebe zur Musik fasziniert. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, schreiben Songs und komponieren, was auch der Band zu Gute kommt. Die Geschichte bekommt auch durch Kits Familie etwas Besonderes. Mit ihren Brüdern gibt es immer wieder äußerst witzige, aber auch schwierige und emotionale Situationen. Schön fand ich vor allem, was wir über die Hintergründe der beiden Protagonisten erfahren und ihre Liebe zueinander, die sich auch in ihrer Begeisterung über die Musik wiederfindet. Zunächst war es etwas verwirrend, dass sich die Ereignisse von Band 2 und 3 teilweise überschneiden. Sobald man sich aber daran gewöhnt hat, ist es noch interessanter, verschiedene Blickwinkel zu erfahren.


Rock My Dreams – Band 4

Drummer Mike ist das ruhigste Bandmitglied. Von unverbindlichen Abenteuern mit Groupies hält er nicht viel, auch wenn er die Möglichkeit definitiv hätte. Bereits im ersten Band spielt er lieber mit Rowan Videospiele als sich ein Mädchen mit nach Hause zu nehmen. Kurz gesagt, Mike fällt vollkommen aus dem Rockstarklischee. Bei einem Gig trifft er auf seine Exfreundin Danica, die plötzlich wieder mit ihm zusammen sein möchte. Er gibt ihr eine Chance, um herauszufinden, ob die beiden eine gemeinsame Zukunft haben. Durch Danica lernt Mike auch deren Cousine und Mitbewohnerin Hailey kennen. Die ruhige, gewissenhafte Studentin kommt aus einer Familie, die nicht sehr viel Geld hat. Hailey Onkel, Danicas Vater, finanziert ihr das Studium, weswegen sie auch mit ihrer Cousine zusammenwohnt. Sehr schnell wird klar, wie sehr Hailey darunter leidet, denn Danica ist ein wirkliches Biest. Egoistisch, gemein und berechnend macht sie Hailey das Leben schwer, was sich ins Unerträgliche steigert, als sie spürt, dass zwischen Mike und Hailey etwas ist. Hailey und Mike sind das perfekte Paar und lieben sich zweifelsohne, dennoch zieht sie sich zurück, nachdem Danica ihr damit droht, dass ihr Vater Hailey die Unterstützung für das Studium zurückzieht. Trotz aller Widrigkeiten finden die beiden am Ende zusammen, was besonders schön ist, weil beide eine tolle individuelle aber auch gemeinsame Charakterentwicklung durchlaufen. Ich fand es auch gut, dass das Ende nicht zu perfekt und damit unrealistisch wird. Für mich war die Geschichte nachvollziehbar und ich habe mich auf jeden Fall in Mike verliebt. Meiner Meinung nach der stärkste Teil der Reihe!


Es gab für mich einen größeren Minuspunkt in den Büchern. Vor allem Dee schimpft ziemlich oft über die Groupies der Band, was ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann. Allerdings geht es dabei auch viel darum, wie freizügig diese gekleidet sind. Gleichzeitig drängt Dee aber Rowan zu kurzen Röcken und hohen Schuhen, zeigt selbst auch gerne sehr viel Haut. Das ist meiner Meinung vollkommen in Ordnung, aber ihre ständigen Kommentare über andere Frauen, die im Endeffekt auch nicht anders aussehen als sie, sehe ich sehr kritisch. Und selbst, wenn Dee sich anders kleiden würde, gäbe es absolut keinen Grund, andere für ihre Kleidung zu verurteilen. Ich hatte nicht, das Gefühl, dass das von der Autorin beabsichtigt war, dennoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass solche Aussagen durchaus problematisch sind.


Nichtsdestotrotz konnte mich die Reihe insgesamt überzeugen. Eine Besonderheit ist auf jeden Fall, dass man viel über die Geschichte und Entwicklung der Band erfährt und auch alle vier Bände so miteinander verflochten sind, dass man auch mitbekommt, wie es mit den anderen Paaren weitergeht, wenn man die Forstsetzungen liest. Der Schreibstil ist in allen Teilen sehr flüssig und ermöglicht es dem Leser, mitzufühlen und die Handlungen nachzuvollziehen. Die Cover gefallen mir auch sehr, vor allem weil sie ein schönes gemeinsamen Konzept verfolgen und doch individuell gestaltet sind.


Eine tolle Reihe, die sehr viel Spaß macht und definitiv Lust auf Konzerte macht!

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