• Juliana

Rezension | Rapunzel, mein von Lars Schütz

Im Ruhrgebiet sorgt ein bizarrer Mord für Schlagzeilen: In einem stillgelegten Märchenpark wurde ein totes Mädchen ohne Hände gefunden. Erdrosselt mit ihren eigenen langen blonden Haaren. Profilerin Rabea Wyler ist völlig außer Fassung. Eine amputierte Hand war das Einzige, was vor zwanzig Jahren von ihrer vermissten Schwester gefunden wurde. Mit der Hilfe ihres suspendierten Partners Jan Grall kann Rabea den Täter überführen. Doch schnell wird klar, dass er auch bloß die Marionette in einem perfiden Spiel ist. Und das hat gerade erst begonnen ...

[Quelle: Ullstein]


Vorab vielen Dank an den Ullstein-Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar!


So süß und kindgerecht wir Märchen in so manchen Büchern und im Disneyfilmkosmos vermittelt werden, sind sie eigentlich nicht. Tatsächlich gleichen die Grimm’schen Original eher Horrorgeschichten als Gute-Nacht-Erzählungen. Die Volksmärchen sind in ihrem Ursprung sehr brutal und keineswegs mit einem Happy End verbunden. Kein Wunder also, dass sie als Inspirationsquelle für so manche Schauergeschichte herhalten.


Das ist auch bei „Rapunzel, mein“ der Fall, wie auch der Name schon verrät. Das Märchen von einem jungen Mädchen, das von einer bösen Hexe in einem Turm eingesperrt wird und ihre Haare meterlang wachsen lässt, um die Ziehmutter nach oben klettern zu lassen, ist an sich genau genommen schon gruselig genug. Lars Schütz schmückt diese Vorlage mit Kindesentführung und einer getriebenen Hauptfigur aus. Profilerin Rabea, deren kleine Schwester von Jahren entführt wurde, hat die Hoffnung sie zu finden immer noch nicht aufgegeben. Als sie von einem ähnlichen Fall wie dem ihrer Schwester erfährt, beginnt sie sofort und auf eigene Faust zu ermitteln, ohne dabei an die möglichen Konsequenzen zu denken.


Die Figuren in „Rapunzel, mein“ sind ziemlich gut gelungen, zumindest die beiden Protagonisten Rabea und ihr ehemaliger Mentor Jan. Beide sind relativ ausgereift, zumindest soweit es bei Thrillern dieser Art nötig und möglich ist. Die vorkommenden Nebenfiguren haben genug Charakteristika, um sie gut einzuordnen und zu unterscheiden.


Das Märchen ist gut in die Geschichte eingearbeitet, allerdings hat die Plotline für mich Schwächen. Das große Gebilde hinter den Verbrechen fand ich zwar interessant, aber zu überzogen, damit es richtig spannend sein konnte. So richtige Spannung kam bei mir nicht auf, auch wenn ich gerne gelesen habe und auch nicht etwa gelangweilt war.


Insgesamt ist „Rapunzel, mein“ ein guter Thriller für entspanntes Lesen. Große Innovation findet man zwar nicht, aber einen interessanten Ansatz, der die üblichen Konventionen einhält und trotzdem eine etwas andere Sichtweise bietet. Ich persönlich hätte mir etwas konkreteren Märchenbezug gewünscht, weil es manchmal ein wenig willkürlich wirkte. Ansonsten aber eine kurzweilige Lektüre, die Lust auf weitere Bücher von Lars Schütz macht.

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