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  • Juliana

Rezension | Show Me the Stars von Kira Mohn

Auszeit! Diese Überschrift schreit Liv geradezu an, als sie deprimiert Stellenanzeigen durchforstet. Nach dem Journalistik-Studium wollte sie eigentlich durchstarten, aber ein verpatztes Interview hat sie gerade den ersten Job gekostet. Da hört sich die Anzeige, in der für sechs Monate ein Housesitter für einen Leuchtturm auf einer kleinen Insel vor der irischen Küste gesucht wird, wie ein Traum an. Eine Auszeit ist genau das, was sie jetzt braucht. Sie bewirbt sich, und nur wenige Wochen später steht Liv vor ihrem neuen Zuhause. Und zwar zusammen mit einem gutaussehenden Iren, der ihr Herz erst zum Klopfen, dann zum Überlaufen und schließlich zum Zerbrechen bringt …

[Quelle: Kyss]

Wenn man nichts mehr hat, was einen irgendwo hält, stehen einem alle Türen offen. Als Liv ihren Job verliert, beschließt sie kurzerhand Hamburg zu verlassen. Einen Freund hat sie nicht, Freunde auch nicht wirklich und der Kontakt zu ihrer Mutter ist eher erzwungen. Warum also nicht?


Liv findet eine Stellenanzeige, in der jemand gesucht wird, der ein halbes Jahr lang auf einen Leuchtturm aufpasst. In Irland. Auf einer winzigen Insel. Ehrlich gesagt, war genau diese Idee für mich der Grund, dieses Buch überhaupt erst zu lesen. In dieser Form kannte ich sowas bisher nicht, außerdem ist Irland einfach ein wunderschönes Land, ein Leuchtturm ein ganz klarer Sehnsuchtsort.


Liv wirkt manchmal ein wenig älter als sie ist, was aber hinsichtlich ihres mangelnden Verhältnisses zu ihrer Mutter sehr nachvollziehbar ist. Deswegen fand ich es aber auch nicht unlogisch, dass sie sich traut, diesen Schritt zu gehen und ein halbes Jahr in Irland zu verbringen. Sie ist sehr klug und kreativ, das kommt sehr schön rüber. Ihre Panik vor der Dunkelheit ist logisch aufgebaut und wirkt für mich weder erzwungen, noch übertrieben. Auch, wie sie beschließt, ihre Angst zu überwinden, passt zu Liv. Die Protagonistin ist einfach durchweg sympathisch, sie wäre wirklich eine Person, mit der ich befreundet sein könnte. Im Gegensatz zu vielen anderen Figuren (gerade bei NA-Romanen) hat sie keine seltsamen Angewohnheiten, ist nicht wahnsinnig unsicher oder hat sonst eine Eigenschaft, von der jemand dachte, die Figur bräuchte sie. Ich mochte Liv einfach wirklich sehr gerne.


Ihre Geschichte, wie sie ihren Job verloren hat und das Gefühl, dass sie zuhause eigentlich nichts mehr hält, hat mir gut gefallen. Sie hat einfach die Gelegenheit genutzt, um sich über sich selbst und ihre Wünsche klar zu werden. Ohne Eis, ohne Liebesschnulzen, ohne tagelanges Nicht-duschen. Ihre Reaktionen sind authentisch und wie ich finde, auch etwas, woran man sich ein Beispiel nehmen kann.


Das aber wohl Beste an dem Buch ist die Kulisse Irlands. Für mich gibt es kaum ein schöneres Land und ich habe beim Lesen unfassbares Fernweh bekommen. Die Weite des Meeres, das Rauschen des Windes und der Wellen habe ich fast schon selbst gehört, so toll beschreibt Kira Mohn die Umgebung. Dass Liv völlig fasziniert von ihrem neuen Zuhause ist, verwundert da kein bisschen!


Aber bei all den positiven Punkten, gab es für mich doch auch etwas, was ich nicht so gut fand. Zum einen war das Kjer, der männliche Protagonist. Alle Figuren sind wirklich schön erzählt und sehr sympathisch bzw. unsympathisch, wenn sie so rüberkommen sollten. Auch Kjer, allerdings ist er doch sehr klassisch gehalten: muskulös, schöne Augen, tolle Haare. Ja, klar, das ist hübsch anzusehen, aber doch hat mir bei ihm etwas Tiefe gefehlt. Außerdem fand ich es wirklich sehr schade, dass gar nicht auf seinen irischen Akzent eingegangen wurde. Auch wenn Liv offenbar sehr gut Englisch kann, ist es nicht sehr glaubhaft, dass sie diesen nicht mal wirklich zu bemerken scheint. Vor allem in einem überfüllten Pub und mit Alkohol hätte es nur Sinn gemacht, das mal zu erwähnen. Das ist irgendwie eine verschenkte Gelegenheit.


Die Liebesgeschichte selbst war nicht wirklich was Besonderes, finde ich. Ganz ehrlich gesagt, glaube ich sogar, dass mir das Buch ohne besser gefallen hätte. Livs Geschichte alleine war so interessant, da hätte es keinen Love Interest in dieser Form gebraucht. Es ist nicht verkehrt und stört auch nicht, aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Liebesgeschichte eher ein Nachtrag war als Kern des ganzen Romans, was ich sehr schade finde. Ich wundere mich darüber, weil es eindeutig nicht am Talent der Autorin liegt, dafür sind alle anderen Punkte zu gut geplottet und auserzählt.


Insgesamt fand ich „Show Me the Stars“ sehr schön zu lesen. Es war flüssig, die Geschichte machte Sinn und vor allem die Atmosphäre hat mich wirklich überzeugt. Nur die Liebesgeschichte hat sich nicht so eingeprägt, wie sie es vielleicht hätte sollen. Wer aber einfach einen schönen Leseabend verbringen möchte, der liegt hier auf jeden Fall nicht verkehrt!

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