• Juliana

Rezension | Zwischen uns die Mauer - Norbert Lechner

1986. Die siebzehnjährige Anna (Lea Freund) aus der westdeutschen Provinz fährt mit einer Jugendgruppe zum Begegnungstreffen nach Ostberlin. Dort lernt sie den rebellischen Pfarrerssohn Philipp (Tim Bülow) kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick - doch die schwer verliebten Teenager aus Ost und West werden getrennt durch die scharf bewachte deutsch-deutsche Grenze. Nicht nur die Mauer steht der großen Liebe im Weg, Annas skeptische Eltern (Franziska Weisz, Fritz Karl) reagieren gleichfalls mit Verboten. Die heimlichen Besuche ihrer selbstbewussten Tochter bleiben auch der Stasi nicht lange verborgen. Die Ereignisse nehmen eine höchst dramatische Wendung. Und dann fällt die Mauer...

[Quelle: Alpenrepublik Filmverleih]



Am 3. Oktober feiern wir das 30. Jubiläum der Wiedervereinigung. Bis dahin war Deutschland in zwei Teile geteilt und durch eine Mauer getrennt. Was das für die Menschen damals bedeutet hat, ist heute kaum noch vorstellbar. Heute können wir spontan über das Wochenende zum Gardasee fahren, mal eben nach Wien und Melange trinken, in Kroatien campen. Aber wie ist es, wenn all dies nicht nur unmöglich sondern sogar utopisch ist?


1986 fährt Anna mit einer Jugendgruppe nach Berlin, auch Besuche in Ostberlin stehen auf dem Plan. Dort begegnet sie Philipp, der ihr sofort den Kopf verdreht. Die beiden Teenager verlieben sich sofort ineinander. Als Anna wieder nachhause muss, schreiben die beiden sich Briefe. Sich einfach so zu besuchen geht nicht, die Einreise in die DDR wird strengstens überwacht. Aus der DDR in die BRD ausreisen ist mittlerweile nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich. Doch die beiden Verliebten wollen dies nicht wahrhaben. Anna besucht Philipp immer wieder, der Gedanke an Flucht entsteht. Doch als die Stasi auf ihre Beziehung aufmerksam wird, scheint jede Hoffnung verloren.


Zwischen uns die Mauer ist ein wirklich beeindruckender Film, der die Stimmung der 80er Jahre im geteilten Deutschland so gut auffängt, dass man fast schon das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Dabei kommt der Film ganz ohne Klischees wie riesige Dauerwellen und Neonfarben aus, geht viel subtiler vor. Die originalgetreuen Schauplätze sind ideal gewählt, die Filmmusik unterstreicht die Atmosphäre weiter.


Die schauspielerische Leistung ist schlicht herausragend. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Lea Freund und Tim Bülow als das verliebte Teenagerpaar sind sehr überzeugend. Die Naivität, wie sie nur Liebende haben können, die zarten Gefühle und das Aufbegehren gegen die Welt kommen in jeder Situation rüber. Und obwohl man jede Emotion mitfühlt, kommt kein Kitsch auf. Nie wird der Film rührselig, bleibt immer echt.


Besonders positiv aufgefallen sind mir die visuelle und akustische Prägung der Atmosphäre. Die Plattenbauten sind grau, die Natur trist, da der Film vorwiegend über die Wintermonate spielt. Die Wohnungen sind im typischen dunklen Stil eingerichtet, wobei deutliche Unterschiede zwischen Ost und West zu erkennen sind. Akustisch stechen vor allem die unangenehmen, lauten Geräusche hervor. Als die Grenzpolizei die Jugendgruppe in Zug kontrollieren will, reißt einer der Polizisten beispielsweise die Zugtür auf. Dabei entsteht ein sehr unangenehmes Geräusch. Oftmals werden solche beschönigt, damit der Zuschauer sich wohler fühlt. Doch gerade durch das Betonen solcher Details, kommt beim Zuschauer genau das richtige Gefühl an. Schließlich befinden sich die Figuren auch nicht in angenehmen Situationen.


Der Augsburger Regisseur Norbert Lechner hat einen großartigen Film geschaffen, der heute so aktuell ist wie damals. Die tollen Schauspieler, der Sinn für Details und die Authentizität des Films machen Zwischen uns die Mauer zu einem richtigen Kino-Hightlight!



10 Ansichten

© 2019 by STORYLINES. Created by emconceptual.de